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Neu als Führungskraft

Neu als Führungskraft - Tipps für den Start

22.03.2018

Neu als Führungskraft – Tipps für den Start

Herzlichen Glückwunsch! Geschafft! Eben noch die Linse im Eintopf und der Kiesel im Flussbett, einer von vielen, Anweisungen folgend, ausführend und hinnehmend und nun sind Sie selbst soweit, die Verantwortung für ein Team, eine Abteilung, ein Projekt und seine Aufgaben zu übernehmen.

In diesem ersten Beitrag in der Reihe „Neu als Führungskraft“ möchte ich Sie dazu ermutigen, erst einmal genau hinzuschauen und sich zu fragen, ob die neue Position auch richtig ist für Sie, denn sie wird Ihr Leben verändern.

Mit einer neuen Position ändert sich auch der Blickwinkel

Eben noch im kumpelhaften Gespräch mit den Gleichgesinnten und ebenfalls Betroffenen werden Sie bald spüren, dass manche Gespräche schlagartig verstummen, wenn Sie den Raum betreten. Mit der neuen Position wachsen nicht nur Vorsicht, Argwohn und Angst vor Ihnen, sondern auch die Bereitschaft zu konkurrieren und über Sie zu lästern.

Gleichzeitig wachsen auch beunruhigende Erwartungen an Sie, und die wirken oft diffus: Sind Ihnen die Wünsche und Hoffnungen der ehemals Gleichgestellten noch sehr vertraut, so erscheinen die der Führungskollegen und natürlich die der Geschäftsleitung mitunter wenig eindeutig und widersprüchlich.

Da sind Sie nun mittendrin gelandet

– die Bulette im Burger, der Käse im Sandwich, die Sahne im Windbeutel.

Spätestens jetzt wird Ihnen bewusst, dass Führung nicht nur mehr Geld, Ansehen und Information, sondern auch Einsamkeit bedeuten wird.

Aber nur ruhig Blut: Wenn Sie bis jetzt noch nicht vor Schreck erstarrt und angewidert den Kopf zur Seite gedreht haben, dann sind Sie richtig.

Führung bedeutet auch große gestalterische Freude

Führen bedeutet neben den Belangen von allen Seiten und gelegentlicher Einsamkeit auch große gestalterische Freude, Befriedigung durch Zielerreichung und Motivation anderer auch Wachstum und Anerkennung durch Handlungsspielräume und Entscheidungen.

Wenn Sie zu alldem JA sagen, dann bleiben Sie dran. Dann werden Sie Ihre Zukunft genießen und sich nicht mehr in die Stabslinie einreihen wollen. Dann wird es im nächsten Beitrag in dieser Reihe um Ihr Fundament gehen, das Sie dringend brauchen werden in stürmischen Zeiten, aber auch dann, wenn Sie Ihre Führungserfolge zu Höhenflügen verleiten sollten.

Schwächen, Stärken und Wurzeln

Na, schon die ersten irritierenden Erlebnisse als neue Führungskraft durchlebt und überstanden? Respekt – hier beginnen die Neulinge oft zu wackeln und ihren Enthusiasmus zu verlieren.

Auch mir ist es so ergangen, als altgediente Mitarbeiter, die ich quasi überholt hatte, argwöhnisch auf meine Leistung und vor allem meine Fehler schielten, um halbwegs wieder in ihre innere Balance zu finden: Seht ihr, die ist doch nicht besser als wir!

Immer wieder bin ich anfangs dann mit einem unguten Gefühl nach Hause gefahren und habe an mir selbst gezweifelt. Die wichtigste Frage, die mir dann eine wohlmeinende Freundin stellte, war:

„Was hat Dein Chef, der Dich in diese Position gebracht hat, in Dir gesehen?
Warum hat er gerade Dir die Führungsrolle zugetraut und eben nicht den anderen?“

Auf diese Frage hatte ich – anfangs zögerlich – doch dann sprudelnd einige Antworten parat. Ja, ich machte Fehler – weil menschlich – und ja, ich hatte nicht so viel Erfahrung wie manch alter Hase um mich herum.

Aber ich hatte deutlich mehr Mut als die anderen, ich traf Entscheidungen und war bereit, meine Fehler auch auszubügeln und dazuzulernen.

Und ich hatte ein hohes Maß an unternehmerischem Denken, weil mir gute Geschäfte – in meinem Fall eine deftige Zimmerauslastung mit appetitlichem Durchschnittspreis im Hotel – einfach richtig Spaß machten. Das wusste mein Chef. Und er hatte eine Idee von meiner Grundhaltung, die man z. B. braucht, wenn man hinfällt und die Krone wegrollt.

Optimismus und Enthusiasmus

Schwächen, Stärken und Wurzeln

Sehr gut erinnere ich mich an einen Seminarteilnehmer in der Schweiz, der sehr jung und damit unsicher war, ob er die ihm angediente Führungsrolle tatsächlich übernehmen sollte. Er besuchte mein Seminar „Vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten“, um in dieser Frage Klarheit zu finden.

Und was soll ich sagen? Er fand sie – diese Klarheit. Er fand sie mit einer für ihn zunächst ungewöhnlichen und auch unangenehmen Übung: Die Teilnehmer, ausnahmslos Männer in dieser Runde, sollten übers Scheitern sprechen. Über ihre persönlichen Tiefschläge. Davon hatte er – nennen wir ihn Alex – einige zu bieten. Der tiefste war die zum 2. Mal missglückte Prüfung im Studium und das Wissen, dass man nun nicht mehr wiederholen konnte und er – Alex – nun ohne Abschluss dastehen würde.

Interessant ist im Seminar dann nicht das Scheitern, das jedem passieren kann, JEDEM! – Interessant ist vielmehr das Aufstehen, das Weitermachen danach. Die alles entscheidende Frage dazu ist:

„Welcher Glaubenssatz, welche Haltung, welches Fundament hat Dir dabei geholfen?“

Für Alex war es eine Grundschullehrerin, die ihn gesehen und sein Talent fürs Lesen gefördert hat. Und die Oma, bei der er sich wie ein kleiner Prinz fühlte, weil er von ihr so verwöhnt wurde. Aber besonders die Mutter, die – wegen einer Jüngeren verlassen – trotzdem dastand wie ein Baum und einen erfüllenden Karriereweg einschlug.

Was für ein Fundament! Viel Selbstwertnahrung und gute Vorbilder. Wir tragen so viele Schätze in uns, die uns in schwierigen Situationen über Wasser halten und weitermachen lassen, wir müssen sie nur freilegen. Alex hat die Führungsverantwortung übernommen und ist heute sehr erfolgreich und zufrieden. Ohne Abschluss, aber mit viel innerer Stärke.

So, wie wir Rheinländer getragen werden von einem Optimismus, den wir quasi mit der Muttermilch aufsaugen und der auch in mir eine heitere Grundhaltung für schwierige Situationen zurückgelassen hat:

„Et es wie et es“ UND „Et hätt noch immer juut jejange“ (es ist wie es ist UND es ist noch immer gut gegangen).

Positives Menschenbild

Meine Tochter kam vor Kurzem mit einer wunderbaren Geschichte aus der Schule – Gymnasium in Bayern, wohlgemerkt, da ist das mit den wunderbaren Geschichten so eine Sache. Sie aber erzählte von einem afrikanischen Referendar, der für einige Monate im Rahmen eines Austauschprojektes Englisch unterrichten sollte und nun zum ersten Mal vor ihrer Klasse stand.

Mit einem Strahlen verbeugte er sich vor der pubertierenden Meute, die sonst grundsätzlich so ziemlich alles belacht und provoziert, was nicht mit dem Notenbuch vor der Nase wedelt. Der Afrikaner sagte, frei übersetzt: „Meine Damen, meine Herren, es ist mir eine Ehre, hier heute vor Ihnen zu stehen und mit Ihnen mein Wissen rund um die englische Sprache teilen zu dürfen.“ Die Meute war sprachlos und neugierig.

Bedeutungsvoll für die Führungsarbeit ist diese Art von Wertschätzung, die einem absolut positiven Menschenbild entspringt. Sam, der Afrikaner, setzte einfach voraus, dass diese jungen Menschen lernen wollen und wissbegierig sind. Er vermittelte mit einfachen Worten seine Idee des Kooperierens sowie der Freude daran und teilte nicht im Ansatz das Vorurteil der faulen, frechen, nichtsnutzigen Jugend.

Viele Führungskräfte tragen unbewusst ein negatives Menschenbild in sich und vermitteln das in unbedachten Äußerungen, die Menschen entwerten und damit demotivieren. So hörte ich jüngst einen Hotelier der alten Schule schimpfen: „Die jungen Mitarbeiter heute, die taugen alle nix, die wollen mich nur abzocken und sich vor der Arbeit drücken.“ Ach ja?

Scheinbar belanglose Aussagen wie „Hier klappt ja auch gar nichts“ oder „Ist ja kein Wunder, dass dieser Fehler passiert ist“ transportieren diese Haltung, die dem Mitarbeiter suggeriert: Es hat nichts geklappt und es wird auch nichts klappen oder bei diesen Typen kann es ja nicht anders sein.

Fehler und Fehlverhalten werden somit Resultat einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung und die Führungskraft merkt nicht, dass sie selbst für dieses Fehlverhalten verantwortlich ist. Tochter Valerie jedenfalls beschrieb die Unterrichtsstunde bei Sam als „mega“. Alle hätten gesprochen, auch die, die nicht so gut in Englisch sind. Sam hätte bei jedem aufmerksam zugehört und den Beitrag ernst genommen. Die coolen Jungs kommentierten dann hinterher: „Voll der Bro, der Sam, bester Mann.“

Durchsetzungsvermögen

Was ich selbst als Trainer, Coach und Berater in den Unternehmen oft erlebe ist das Unvermögen der Führungsriege, klare Kante zu zeigen und Konsequenzen dann zu ziehen, wenn sie nötig werden. So hat sich jüngst eine frischgebackene Führungskraft in einem großen Logistikunternehmen, das ich berate, gewunden wie ein Aal. Das kam ungefähr so: Mitarbeiter Mark, der erstklassige Arbeit leistet und auch am späten Nachmittag kurz vor Feierabend immer noch Ladungen findet, damit kein Lkw leer irgendwo herumfährt, kam wieder einmal zu spät zur Arbeit. Geräuschvoll, strahlend und mit viel Präsenz ließ er sich auf seinem Stuhl nieder und loggte sich in seinen Account ein. Peter, die Führungskraft, hatte das sehr wohl bemerkt und auch die Kollegen in seinem Team warfen sich vielsagende, aber zugleich resignierte Blicke zu.

Als Berater sollte man vieles wahrnehmen und ansprechen, was ich in diesem Fall dann tat. Peter druckste herum: „Na ja, der Mark ist mein bester Mann, der spart uns viel Geld, von dem können sich die anderen noch etwas abgucken.“ Ach, und deshalb darf der Mark sich eigene Arbeitszeitregeln aufstellen? Weil er so gute Arbeit leistet, darf er zu spät kommen? Ohne Konsequenz?

Mein Rat in diesem Fall, wie ich ihn so oft in Unternehmen erleben muss: Vergleicht nicht Äpfel mit Birnen!

Wer gute Arbeit leistet, sollte dafür anerkannt werden, gerne mit einem persönlichen Lob oder einer anderen Art des Wohlwollens. Wer gute Arbeit leistet, muss sich aber gleichzeitig an Regeln halten, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun und darf auch nicht gegenseitig aufgewogen werden.

Wer hier als Führungskraft keine klare Kante zeigt und nicht konsequent ist, der weicht ein Regelwerk auf, das die Zusammenarbeit in seinem Team bestimmt. Wer hier den Primus inter Pares regieren lässt, stößt alle anderen, die sich an die Regeln halten, vor den Kopf – die Missstimmung ist vorprogrammiert.

Peter hat sich nun ein Herz gefasst und Mark auf das Zuspätkommen hingewiesen. Er hat ihm klargemacht, dass es beim nächsten Verstoß gegen die Arbeitszeitregeln eine Rüge geben wird. Mark war nicht wirklich ‚amused‘.

In einem weiteren Gespräch hat Peter aber ein großes Lob für die exzellente Arbeit ausgesprochen und Mark gebeten, Tipps und Tricks für nachmittägliche Beladungen an die Kollegen weiterzugeben. Damit war Marks Welt wieder in Ordnung. Jetzt ist gutes Führungsverhalten entstanden und so kann ein Team funktionieren. Erfahren Sie in unserem Seminar “Plötzlich Chef!“, wie Ihnen der Rollenwechsel einfacher von der Hand geht. Im Erfahrungsaustausch mit Trainerin und Mitteilnehmern gewinnen Sie neue Sichtweisen und Ideen für ein überzeugendes Auftreten als Führungskraft.

Autorin: Anke von Skerst


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